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windelfrei – ganz praktisch im Alltag

Wie begann windelfrei bei mir

 

Leider sind wir modernen Menschen meist zu sehr beschult (worden).

Wir sind sehr gut darin geschult, allein unserem Verstand zu glauben…

und unsere Intuition (vollständig) zu vernachlässigen.

Es existiert nur das, was wir sehen, alles andere ist Quatsch und nicht wissenschaftlich.

Daher fällt es uns anfangs eventuell etwas schwer, uns in das Abenteuer windelfrei zu stürzen.

Mir jedenfalls ging es so. Ich wollte alles genau wissen und vorgekaut bekommen (wie in der Schule eben), als müsste ich einen Test ablegen und bestehen.

Damals fand ich noch nicht viel (für mich verwertbare) Informationen über windelfrei, las also nur die Klassiker:

„Es geht auch ohne Windeln“ von Ingrid Bauer und “ TofFit!: Der natürliche Weg mit oder ohne Windeln“ von Laurie Boucke

Dann probierte ich einfach drauf los, ganz locker ging ich es mit unserer damals 15 Monate alten Tochter an. Es dauerte nicht lange und sie ging selbständig auf den Topf. Auch unsere „gewindelten“ Kinder durften im Sommer draussen ohne Windel sein, von daher war windelfrei nicht ganz neu (auch wenn ich es damals nicht so nannte) und vielleicht bescherte uns das auch den raschen Erfolg. Da es so gut geklappt hatte, war ich ganz gespannt auf den neuen Erdenbürger und wie windelfrei wohl mit einem so ganz kleinen Baby funktionieren würde.

 

Jetzt wird es ernst: windelfrei von Anfang an

 

Bei unserem Baby-Sohn war ich anfangs trotz allem etwas unsicher und immer noch dem Perfektionismus unterworfen, deshalb nutzte ich oft ein Back-up. Mit der Zeit kommt aber das Gespür dafür, wann das Baby mal muss. Viele Mamas machen Laute oder Zeichen (wir sagen immer: „puller, puller, puller“, empfehlenswerter ist wahrscheinlich ein Geräusch, was an plätschern erinnert). Manche Babys äußern sich beizeiten mit diesem Geräusch oder (Baby-)Zeichen. Unsere momentan jüngste Tochter (13 Monate alt) sagt:“Kacka“ und „Puller“ oder sucht sich ein Töpfchen und bringt das an. Aber auch ohne „verabredetes“ Zeichen, erkennst Du nach einiger Zeit, wann Dein Baby mal muss:

 

Die meisten Babys werden unruhig, nörgeln, weinen oder zappeln.

Kurz bevor es „zu spät“ ist, werden viele Babys ganz ruhig, still und in sich gekehrt.

Vormittags pullern die meisten Babys öfter.

Ein guter Tipp ist auch das Baby nach dem Stillen und Schlafen abzuhalten.

 

Beobachtung, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sind wunderbare Begleiter und Helfer für windelfreie Familien. Es gibt einige Mamas, welche es „wissenschaftlich“ angehen und die erste Zeit protokollieren, bevor sie sich an das windelfrei Abenteuer wagen. Mir persönlich war das zu theoretisch. Allerdings macht es mir aber auch nichts aus, mich oder/und das Baby einmal öfter umzuziehen. Ich finde, der beste Tipp ist:

 

Fang einfach an und lass Dich von „Rückschlägen“ nicht entmutigen.

Du sollst und musst es doch nicht perfekt machen, wichtig ist der gute Wille!

 

windelfrei im Tragetuch

 

Wie gesagt, nutzte ich in unserer ersten windelfrei Baby Zeit oft eine zusätzliche Sicherheit. Da unsere kleinen Babys fast immer bei mir im Tragetuch sind, war das ganz einfach: Das Baby ganz normal anziehen (am besten mit Schurwoll- oder Wolle/Seide-Kleidung, ist wirklich super praktisch!) und dann einfach zwischen Tragetuch und Baby eine entsprechend gefaltete Stoffwindel legen. So bleibt das Baby trocken (die Schurwoll-Kleidung leitet jegliche Flüssigkeit an die nächste Baumwollschicht), Mama und Tragetuch meist auch.

Beginne am besten im Wochenbett mit viel Ruhe und Zugewandheit

 

Am besten lernst Du Dein Baby kennen, wenn Du die Zeit des Wochenbetts zum Kennenlernen nutzt. Ich habe viel Zeit mit unseren Neugeborenen Haut an Haut und viiiieeeel Ruhe verbracht. Der Vorteil ist, dass Du entweder Du rechtzeitig, merkst wenn Dein Baby muss oder Du nass wirst. Da Du nackt bist, ist das aber nicht weiter schlimm – einfach trocken wischen. Der frische Baby-Urin ist steril und stinkt normalerweise nicht (es sei denn Dein Baby ist krank). Du kannst auch eine schmal gefaltete Mullwindel Deinem Baby zwischen die Beine legen, dann wirst Du nicht nass aber hast mehr Wäsche.

Das „große Geschaeft“

 

Meist ist es wesentlich einfacher zu lernen, wann sich das „große Geschäft“ ankündigt. Unsere windelfrei Babys machten alle morgens nach dem Aufstehen Kacki in den Topf. Wenn sie krank sind, sich unwohl fühlen oder zahnen, ist es sofort daran zu merken, dass sie wesentlich öfter und unregelmäßiger kacken müssen. Zu solchen Zeiten ist besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung gefordert und diese zeigt meist auch schnell Wirkung.

Lernen durch Körperkontakt

 

Am besten lernst Du Dein Baby kennen, wenn Du es viel bei Dir trägst, auf dem Arm, im Tragetuch oder wie auch immer.

 

Babys sind Traglinge und durch den Körperkontakt, lernt Ihr Euch gut kennen!

 

Unmittelbarer Körperkontakt ist sehr hilfreich, weil Du ein Gespür für Dein Baby bekommst. Es ist auch heute noch so (unsere Tochter ist 13 Monate), dass es weniger Pannen gibt, wenn sie auf meinem Arm ist. Bin ich hingegen beschäftigt und sie spielt allein, dann verpasse ich es durchaus einmal, rechtzeitig zu reagieren. Dafür robbt sie, spätestens wenn sie nass ist, zu mir, damit ich sie umziehe. Es kommt auch mal vor, dass ich es ignoriere bzw. mir einrede, dass es ja jetzt nicht sein kann, weil sie gerade erst war…oder ich habe sie mir gerade erst ins Tuch gesetzt…aber hinterher ist man meistens schlauer 😉 . Ich hoffe, dass ich jetzt nichts Wichtiges vergessen habe.

Bitte schreib mir, wenn Du noch was wissen willst oder hinterlasse einen Kommentar, dann haben alle etwas davon!

Gern darfst Du auch Deine Erfahrungen kommentieren, damit wir alle etwas lernen können!

 Mögen noch viele Babys windelfrei aufwachsen dürfen und viele Familien das windelfrei Dasein genießen können, damit es wieder zur Norm wird in unserer Gesellschaft!

About The Author

Mirjam

glücklich verheiratet und leidenschaftliche (Trage-) Mama von 4 Söhnen und 6 Töchter,
ein bisschen verrückt, immer auf der Suche nach alternativen Wegen und dadurch ständig aneckend,
gern barfuß, strickend, nähend, improvisierend und am liebsten draußen unterwegs

5 Kommentare

  1. Lisa

    Wir halten unsere Tochter (8 Monate) seit ihrem 11. Lebenstag für das gro0e Geschäft ab und seit ihrem 3. Monat ca. auch für das kleine. Das Große klappte ausnahmslos, bis sie mobil wurde, dann mussten wir uns erstmal umstellen. Sie gab nämlich nicht mehr immer Zeichen und wir fingen an, uns mehr und mehr auf unsere Intuition zu verlassen. Meine drei Tipps wären:

    1. Intuition ist das A und O. Und sehr hilfreich, v.a., wenn man keine oder selten Zeichen erkennt. Dabei geht man auch direkt vom Kopf weg, in dem wir uns „auf der Zeichensuche“ gerne verfangen.

    2. Einfach machen. Viele fragen immer – wenn sie erfahren, dass wir windelfrei machen – wie das denn funktioniert und woran ich das merke u.s.w. und ich sage dann immer: halt sie/ihn doch einfach mal ab, wenn du das Gefühl hast, sie/er muss mal kacken (das große Geschäft klappt oft besser). Und wenn es klappt, ist das wahrscheinlich schon Schwung und Ansporn genug, darauf zu vertrauen und sich mit dem Thema intenisver zu befassen.

    3. Windel tatsächlich weglassen. Unsere erste richtige „Hochzeit“ habe ich erfahren, als ich das erste Mal tatsächlich auf die Windel verzichtet habe. Ich reagiere dann viel intuitiver, spontaner, unmittelbarer und häufiger, weil ich nicht erst alles ausziehen und die Windel aufmachen muss, vom Anziehen hinterher ganz zu schweigen (vor allem mit mobilem Kind ein einziger Kampf).

    4. Nicht zu dogmatisch! Wenn es mal nicht so klappt (und die Phasen haben wir immer wieder), mach dir nicht so viel draus und es bricht dir keinen Zacken aus der Krone, für eine Weile wieder auf Back-ups zurücck zu greifen, bis ihr beide wieder entspannter seid. Ich habe manchmal fast das Gefühl, meiner Tochter hilft es, zu wissen, wie sich eine nasse Windel anfühlt, um es nicht mehr zu wollen und mitzuarbeiten.

    5. Wenn es mal nicht so läuft, sagt dir das oft viel über deinen Zustand und den deines Kindes. Meistens liegen die Gründe irgendwo versteckt, zwischen Unsicherheit (die sich auf das Baby überträgt), Verkrampfung, Verkopftheit, Unzufriedenheit, Selbstbezogenheit („Wieso will sie mich denn ärgern?! Jetzt muss ich ihr schon wieder die Hose wechseln!)

    6. Mache es für dein Kind, nicht für dich. Klar, beide Parteien profitieren von Windelfrei und das ist zum Glück auch gar nicht voneinander zu trennen. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass die Übergänge zwischen „Bedürfnis des Kindes wahrnehmen“ und „sich darüber profilieren“ fließend sind und ich nach einer guten Windelfrei-Zeit immer schnell abtrifte in eine egozentrische Haltung, wo es mir um mich geht. Mein Kind gibt mir dann aber immer ganz schnell zu verstehen, dass das so nicht klappt, in dem es sich beim Abhalten durchdrückt, nicht mehr anzeigt oder immer direkt nach dem Abhalten macht.

    7. Jeder Mensch ist anders und jedes Baby auch. Findet euren eigenen Weg und haltet euch nicht zu dogmatisch an Ratschläge. Auch nicht an meine hier 😀

    So. Das sind so meine Erfahrungen, die ich gerne teilen wollte und die ich selbst gerne gehört hätte, als ich mit Windelfrei anfing.

    Liebe Grüße
    und noch was: so viele Kinder! Mein Respekt. Ich wäre zu gerne mal bei euch Gast 🙂

    Antworten
    • Mirjam

      Liebe Lisa,

      lieben Dank für Deine Einsichten und Tipps! Du sprichst mir direkt aus dem Herzen! Ich bin auch eher der Typ, „wenn schon, denn schon!“ und nehme keine Windel, unser Back-up ist der Wischlappen 😉 und ja, es ist so, wie DU sagst: „Einfach anfangen!“ Wir sind meist viel zu verkopft und wollen alles planen und verstehen, ich habe inzwischen gelernt, (meistens) einfach auszuprobieren. Aber was ich auch denke, ist, dass es viel Mut gibt, jemanden zu kennen, besser noch zu erleben, der windelfrei praktiziert…

      P.S. Für mich fühlt sich 10 gar nicht so viel an ;-), Du bist herzlich eingeladen, mit Deiner Familie mal vorbei zu kommen!

      Antworten
  2. Sandra

    Unser Sohn benutzt seit dem 4. Lebenstag sein Töpfchen. Ich habe genau so wie Mirijam erwähnt unser Baby viel auf mir liegen gehabt und nach dem Stillen oder nach Bauchgefühl abgehalten. In den ersten Monaten hat es von 10 Versuchen 9 mal geklappt. Als er dann größer war und sitzen konnte, wollte er nicht mehr abgehalten werden und somit ist er dann auf einem Topf gesessen oder auf einem Sitzverkleinerer auf dem großen WC. Seitdem sein Stuhlgang sich verfestigt hat und er ein bisschen länger für sein großes Geschäft benötigt, hat er gern ein Buch zum Anschauen. Seit er 5 Monate alt ist hat er nicht mehr in die Hose gekakt. Das kleine Geschäft übersehen wir manchmal, aber er lässt es uns wissen, dass seine Hose nun nass ist. Er äußerte seinen Drang indem er große Augen bekam und uns einen hilfesuchenden Blick schenkte oder indem er zum Topf krabbelte. Jetzt mit 15 Monaten fragen wir in einfach und er deutet oder sagt entweder JA oder NEIN. Wenn er am Topf sitzt, ist es bei ihm wichtig ihn so lange drauf zu lassen bis er selber runter will. Es dauert oft laaaange bis sich die Blase entleert hat. Danch klatscht er begeistert in die Hände und geht voller Stolz von dannen. Mittlerweile weckt er mich in der Nacht mit einem besonderen Geräusch und somit weiß ich, dass er jetzt muss. Ich finde es total super, dass schon viele Mamis diesen Weg gehen und wünsche mir, dass mehr und mehr Babys windelfrei aufwachsen dürfen.

    Antworten
    • Mirjam

      Liebe Sandra,

      vielen lieben Dank, dass Du Deine Erfahrung teilst!
      Ist es nicht faszinierend, wie sich diese Nähe und Kommunikation mit dem Baby entwickelt, wenn man sich auf das Abenteuer einlässt? Auch wenn es immer mal daneben geht; mal mehr, mal weniger, so ist allein schon die tiefere (Ver-)Bindung mit diesem kleinen Wesen die ganze Sache wert!
      Interessant, dass Euer Sohn so lange sitzt, unsere hatten meist nicht viel Geduld, selbst wenn sie selbst den Wunsch sich zu erleichtern geäußert hatten (und prompt, kaum von der Toilette oder Top runter, gings in die Hos´…)
      Ja, ich finde es auch so schön, wenn ich windelfreie Familien treffe, genieße es, dass es immer mehr werden und wünsche mir sehr, dass es noch viel, viel mehr werden!

      Alles Liebe Euch!

      Mirjam

      Antworten
    • Mirjam

      Danke, liebe Sandra für Deinen Erfahrungsbericht. Es ist so schön zu erleben, wie individuell jede Familie und jedes kleine Menschlein ist, es aber trotz allem Parrallelen gibt. Ich finde es besonders lustig, dass bei Euch schon Euer Kleiner mit Buch aufs WC geht 😉

      Antworten

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